Das Karpaltunnelsyndrom (CTS) ist die häufigste Nervenengpass-Erkrankung der Hand. Der Medianusnerv wird im Karpaltunnel am Handgelenk eingeengt und unter Druck gesetzt. Typisch sind Kribbeln und Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, oft nachts. Unbehandelt kann die Kraft in der Hand dauerhaft nachlassen.

Welche Symptome verursacht das Karpaltunnelsyndrom?

Die Beschwerden treten anfangs meist nachts auf und bessern sich, wenn man die Hand ausschüttelt. Drei Leitsymptome:

  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, besonders nachts
  • Schmerzen im Handgelenk und in der Hand, die bis in den Arm ausstrahlen können
  • Kraftverlust beim Greifen; im fortgeschrittenen Stadium schrumpft die Muskulatur am Daumenballen sichtbar

Wie entsteht ein Karpaltunnelsyndrom?

Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal an der Beugeseite des Handgelenks, durch den der Medianusnerv und die Beugesehnen verlaufen. Schwillt das Gewebe im Kanal an oder wird der Raum enger, gerät der Nerv unter Druck. Häufig lässt sich keine einzelne Ursache benennen; begünstigend wirken vor allem:

  • wiederkehrende Belastung des Handgelenks, etwa durch monotone Hand- und Greifbewegungen
  • Schwangerschaft, durch vermehrte Wassereinlagerung im Gewebe (oft vorübergehend)
  • Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen

Wie wird das Karpaltunnelsyndrom diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf das Beschwerdebild und drei Untersuchungen:

  1. Klinische Tests: Klopfen auf den Nerv (Tinel-Zeichen) und Beugen des Handgelenks (Phalen-Test) lösen die typischen Missempfindungen aus.
  2. Nervenmessung (EMG/NLG): bestätigt objektiv, ob und wie stark der Medianusnerv beeinträchtigt ist.
  3. Ultraschall: zeigt den Zustand von Karpaltunnel und Nerv und schliesst andere Ursachen aus.

Karpaltunnelsyndrom behandeln ohne Operation: wann reicht das?

Bei leichten Formen mit gelegentlichem Kribbeln genügen oft nicht-operative Massnahmen:

  • Nachtschiene: hält das Handgelenk nachts in neutraler Position und entlastet den Nerv
  • Medikamente/Injektionen: entzündungshemmende Medikamente oder gezielte Kortison-Injektionen reduzieren die Schwellung
  • Handtherapie: gezielte Übungen verbessern die Beweglichkeit

Bessern sich die Beschwerden damit nicht oder ist der Nerv bereits geschädigt, ist eine Operation sinnvoll.

Wann ist eine Operation nötig und wie läuft sie ab?

Eine Operation empfehlen wir, wenn konservative Massnahmen nicht ausreichen oder die Nervenschädigung fortgeschritten ist — bei anhaltender Taubheit, Kraftverlust oder Muskelschwund am Daumenballen. Beim Eingriff wird das Band, das den Karpaltunnel nach oben begrenzt (Retinaculum flexorum), gespalten. So erhält der Medianusnerv dauerhaft mehr Raum.

Wir operieren in der Regel offen, aber über einen kleinen Schnitt in der Hohlhand (mini-open), der kaum länger ist als bei der endoskopischen Technik. Die offene Methode bietet während des Eingriffs die bessere Übersicht, ist meist kürzer und erlaubt es, auch anatomische Varianten, entzündetes Sehnengleitgewebe oder seltenere Ursachen sicher zu erkennen und mitzubehandeln. Der Eingriff erfolgt bis auf Ausnahmen ambulant und in örtlicher Betäubung — entweder direkt lokal oder über eine Druckmanschette am Oberarm. Zum Abschluss betäuben wir die Wunde zusätzlich mit einem langwirksamen Schmerzmittel und legen für ein bis drei Tage eine kleine Schiene an, um Schmerzen nach dem Eingriff gering zu halten. Der Aufenthalt in der Klinik dauert meist nur rund zwei bis zweieinhalb Stunden. Die Wundheilung ist in der Regel nach rund zwei Wochen abgeschlossen; wie lange Sie arbeitsunfähig sind, hängt von Ihrer beruflichen Belastung ab. Häufig kann die Nachkontrolle durch Ihren Hausarzt erfolgen, was zusätzliche Fahrten in die Praxis erspart. Die Karpaltunnel-Operation gehört zu den Eingriffen, die wir am häufigsten durchführen: Im Handzentrum Ost operieren wir pro Jahr rund 300 bis 400 Karpaltunnelsyndrome.

„Entscheidend für einen schmerzarmen Verlauf sind die langwirksame Betäubung am Ende der Operation und die Schiene. Viele Patientinnen und Patienten benötigen danach nur wenig Schmerzmittel.“

Dr. med. Jörg Hainich, Facharzt Handchirurgie FMH

Welcher Arzt behandelt das Karpaltunnelsyndrom und wer operiert in der Ostschweiz?

Das Karpaltunnelsyndrom gehört in die Hände eines Facharztes für Handchirurgie. Im Handzentrum Ost behandeln Dr. med. Jörg Hainich (Facharzt Handchirurgie FMH, Europäisches Diplom Handchirurgie FESSH) und Stephanie Luz (Fachärztin Chirurgie FMH, EBHS/FESSH-Diplom) das Karpaltunnelsyndrom an drei Standorten in der Ostschweiz. Allein Dr. med. Jörg Hainich führt jährlich rund 240 dieser Eingriffe durch. Termine zentral unter +41 76 720 40 90.

Was kostet die Karpaltunnel-Operation in der Schweiz und wer übernimmt sie?

In der Schweiz wird die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms in aller Regel von der Grundversicherung übernommen, da sie als Krankheit gilt und eine medizinische Indikation vorliegt. Nur in Ausnahmefällen — etwa wenn das Karpaltunnelsyndrom zusammen mit einem Unfall (zum Beispiel einer Fraktur) auftritt — übernimmt die Unfallversicherung die Kosten. Es verbleiben die üblichen Anteile aus Franchise und Selbstbehalt. Die genauen Kosten klären wir vor dem Eingriff mit Ihnen.

Medizinisch verantwortlich: Dr. med. Jörg Hainich, Facharzt Handchirurgie FMH, Ärztliche Leitung Handzentrum Ost.

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